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Deep space

Deep space

im Gegenlicht

über die Schulter geblickt

freedom can not be simulated

 

Wie verändert sich der urbane Raum durch künstlerische Eingriffe und Interventionen bzw. wie können durch künstlerische Projekte mögliche, praktikable Alternativen geschaffen werden, die über eine Systemkritik hinausgehen? Warum es sich lohnt nach Alternativen zu fragen, hängt stark damit zusammen wie wir leben wollen bzw. wie wir nicht leben wollen. Und damit, wie der Freiheitsbegriff heute eine Wandlung erfährt. Auch wenn die kapitalistische Maschine der Industrieländer erneut auf Hochtouren läuft, sie funktioniert längst nicht mehr.

Laut dem französischen Philosophen Jacques Rancière sind Kunst und Politik keine feststehenden oder voneinander trennbare Realitäten, sondern zwei  Formen einer “Aufteilung des Sinnlichen”. Dabei geht es vor allem auch darum, wie Praktiken der Sichtbarkeit von Kunst in diese Aufteilung und Neuordnung eingreifen. Im Gegenzug dazu intensiviert sich die Auseinandersetzung durch Gegenüberstellungen, durch davon begleitete Entscheidungen, Verhandlungen und Diskurse.

Als “white tube” wurde der Raum vor der Kulturdrogerie von deren Betreibern Markus Hiesleitner und Franz Tišek für die Sommermonate 2013 durch die Installation eines offenen kubischen Raumes mit gehängten Mesh-Bahnen an eine Markise montiert zu einer temporären Ausstellungspassage umfunktioniert. Als öffentlicher, urbaner Raum wird die “white tube” von vorübergehenden PassantInnen als Trottoir benützt. Als KünstlerIn hat man/Frau die Option, das dafür zum Einsatz gelangende Mesh als Material und Oberfläche des eigenen künstlerischen Projektes zu verwenden. In dem Projekt “DEEP SPACE” werden die Auslagenfenster, der Gehsteig sowie die Oberblenden der Kunstdrogerie als Display benützt.

Fanni Futteknecht, Soundplastik und Fotografien, 2013

Die Soundkomposition entstand in Erarbeitung der Performance I almost love you_ a dream and lecture about love and artificiality in Zusammenarbeit mit Camilo Latorre. Sie ist ein Spiel mit dem Irrationalen, Unsinnigen und Spontanen. Klänge erscheinen und verschwinden. In der Kunstdrogerie interagiert der Sound mit den Geräuschen der Umgebung. Je mehr die Nacht hereinbricht desto stärker dessen Erscheinung.

Die Fotografien sind Teil des Performance Projektes This is not a romantic project. (Foto Credits: Georg Eckmayr)

Female Obsession, Wenn das Universum schluchzt, 2013, Multimediale Installation

Dort, wo sich ursprünglich das Logo “Drogerie” mit roten Buchstaben auf gelben Plexiglasgrund befand, wurden nach dessen Demontage und Freilegung der Neonröhrenbleuchtung von der Künstlerin Female Obsession mit weißen Folien bezogene und bemalte Leinwände installiert. Die mit flamingo-rosa und tiefschwarzer Latexfarbe bemalten Leinwände treten durch die Verwendung der Meshfolie formal in Beziehung zu den Materialitäten des “White Tube” und beziehen sich inhaltlich auf die an der Schaufenster-Glasscheibe angebrachten Schriftzüge:

Durchgangsriten.

Entspannte Anspannung.

Die Intuition eintanzen.

Wider Lobbystan,

Systemkritik angesagt

Die Kunst der aktiven Verkettung.

Der rote Punkt an der Scheibe.

Revolution als Stil?

Fremdbestimmt ist selbstbestimmt.

Bio-Feedback.

Wenn das Universum schluchzt.

Kein Gen bleibt auf dem anderen.

Wie bist Du den drauf?

Jakob Neulinger LIAISON X, 2013, Skulptur, Ø ~ 133 cm, LIAISON Y, 2013, Skulptur, Ø ~ 133 cm, STICK, 2013, COLIBRI, 2013

Ein Bambusrohr wurde in Wasser getränkt und derart geweicht in Form gezwungen, befeuert und der Bogen in sich geschlossen.
Die Objekte tragen Spuren der Bearbeitung und ein Muster, welches zwischen der Holz-Maserung und den mit Effekt-Glanz-Lack überzogen Stellen changiert. Die Dinge tragen somit sowohl ihr natürliches wie ihr künstliches Gehabe. Als frei erfundene Formen behaupten sie sich im Raum. Ihre schillernden und glitzernden Streifen gleichen dem Imponiergehabe von Tieren…

Biografien:

Fanni Futterknecht arbeitet performativ im Kontext zeitgenössischer Bühnenkunst und mit Video. Geboren in Wien hat sie an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam und am Piet Zwart Institut in Rotterdam Bildende Kunst studiert und lebte danach einige Zeit in Frankreich, wo sie anfing sich mit live Performance zu beschäftigen. Ihre künstlerische Arbeit begann mit Videoinstallationen und entwickelte sich von performativen Interventionen im öffentlichen Raum bis zu szenischen Performances. Seit 2009 lebt sie wieder in Wien. Im Herbst 2012 war sie Artist in Residence in Shanghai. www.fannifutterknecht.com

Female Obsession:  Ausstellungen u. a. Über Reason und Resonanz, LWZ, Wien; New Folks, Kunstraum Niederösterreich, Soundbus/Bratislava, The Center of Attention. Kunst als Soziotopie, Vienna Artweek, In der Kubatur des Kabinetts, Fluc Wien, Invisible Display, Istanbul, Status Quo Vadis, Melk, Kunst im öffentlichen Raum, NÖ. The Sound of Your Eyes, K/Haus Wien, See This Sound, Lentos Linz, Artistfanzine Black Pages, Foundary, London

Jakob Neulinger (*1979) lebt und arbeitet als Künstler und Autor in Wien. Er studierte bei Eva Schlegel und Matthias Herrmann Bildende Kunst sowie bei Erich Wonder Szenographie an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Jakob Neulinger war Mitbegründer und Leiter des Kunstvereins MAGAZIN, Lektor und Assistent an der Kunstuniversität Linz und unterrichtet 2013 an der Sommerakademie Salzburg.

Seine Texte erschienen u.a. in Frieze, Frieze d/e, Spike und Spex. Seine Skulpturen waren jüngst in 55, Sydenham Rd in Sydney, Australien zu sehen, wo er Anfang 2013 eine zweimonatige Residency verbrachte. www.jakobneulinger.com

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