Ivana Lazić

saturated soils

Eröffnung: Donnerstag, 1. Oktober 2026, 18 Uhr

Ausstellung: 2. Oktober - 12. November 2026

Öffnungszeiten: jeden Freitag 15 - 18 Uhr

und nach Vereinbarung

 

Workshop: decolonising botany #2

Samstag, 31. Oktober 2026, 13 - 16 Uhr

Finissage: Donnerstag, 12. November 2026, 18 Uhr

 

 

Saturated soils

Saturated soils geht von einem über Generationen erhaltenen Garten aus: dem Garten meiner Großmutter. Im serbischen Dorf Vojska gelegen, wird er durch die landwirtschaftliche Arbeit dreier Frauen genährt: meiner Mutter, meiner Tante und meiner Großmutter. Er etabliert ein materielles Kontinuum zwischen Körpern, Böden, Pflanzen und Zeitlichkeiten, in dem Vererbung und Erbschaft als fortlaufender Prozess der Einbindung und Transformation wirksam wird.

Der Körper, der sich aus dem Garten ernährt, ist bereits in dessen materielle Geschichten verwickelt. Er nimmt den Boden, den er selbst bearbeitet und gepflegt hat, über die Pflanzen und deren Früchte in sich auf, während er zugleich weiterhin Gegenstand vielfältiger Prozesse bleibt, die durch kontinuierliche Austauschvorgänge entstehen.

Denn ein Körper ist weder singulär, noch ist er auf die Grenzen seiner Haut beschränkt. Er konstituiert sich vielmehr durch metabolische Austauschprozesse: durch die Aufnahme, Verdauung und Transformation von Materie, die über die Fiktion körperlicher Autonomie hinausgeht. Was außerhalb des Körpers angebaut wird, wird in ihm kontinuierlich weiterverarbeitet und löst damit jede eindeutige Unterscheidung zwischen Umwelt und Organismus, Kultivierung und Verkörperung auf.

Ein weiterer Aspekt verweist auf die in der Gartenarbeit verankerten Praktiken, die ein Modell der Kontinuität vorschlagen, das auf Fürsorge und Genügsamkeit statt auf Extraktion und Überfluss beruht. Die Vorstellung, dass alles unmittelbar konsumiert, ersetzt oder produktiv gemacht werden muss, wird hier durch eine geduldige und respektvolle Beobachtung natürlicher Zyklen ersetzt, die anschließend zum Zwecke des Wachstums genutzt werden. Die darin eingebettete Zeitlichkeit und die sich wiederholende Performativität der Prozesse der Pflege und Instandhaltung des Gartens sind wesentliche Facetten des Projekts.

Der kontrollierende Einfluss, den der Mensch auf seine Umgebung ausübt, verändert jedoch durch landwirtschaftliche Praktiken das Erdreich – sei es im kleinen Maßstab eines Familienbetriebs oder im industriellen. Sättigung bezeichnet in diesem Sinne einerseits den kumulierten menschlichen Einfluss, der tief in die Bodengeschichten kleinbäuerlicher, familiärer Flächen verankert ist, während sie andererseits den emotionalen Wert und die Fürsorgearbeit hervorhebt, die in jedem Molekül des bearbeiteten Bodens verwurzelt sind.

Saturated soils ist Teil des Projekts Grafting a Garden / The Story of Rose Lilac, das durch das Kulturministerium MA7 und der Stadt Wien im Rahmen des Arbeitsstipendiums 2025 gefördert wurde.

 

Workshop: Dekolonisierung der Botanik #2

Der Workshop basiert auf dem Verständnis von Dekolonisierung als einem fortlaufenden Prozess, in dessen Rahmen sich die Teilnehmenden mit vielfältigen Themen und Perspektiven auseinandersetzen. Er folgt Spuren, die mit der Geschichte der Menschen und Pflanzen, der übermenschlichen Anthropologie, spekulativem Geschichtenerzählen, kolonialen Infrastrukturen sowie den in der Botanik verankerten kulturellen und ästhetischen Bedeutungen verbunden sind.

Ausgangspunkt des Workshops ist die Methodik des Projekts „Grafting a Garden / The Story of Rose Lilac“, die anhand eines Textes von Jelena Batinić (der Tante der Künstlerin) über die Pflanzen im Garten der Großmutter untersucht wird. Der Text beschreibt die Beziehung zwischen Pflanzen und Menschen und verwebt menschliche Emotionen und Wünsche mit dem Leben der Pflanzen, während er diesen gleichzeitig eine eigene Persönlichkeit und folkloristische Bedeutung zuschreibt.

Nach der Lektüre des Textes sind die Teilnehmenden eingeladen, ein Buch vom Tisch auszuwählen und eine markierte Passage zu lesen, die mit einem bestimmten Thema in Verbindung steht. Diese kurzen, zum Nachdenken anregenden Texte dienen als Werkzeuge der Reflexion und aktivieren persönliche Erinnerungen und Wissensformen. Durch diesen Prozess beginnen wir aufzudecken, wie koloniale Infrastrukturen in unseren Erinnerungen, Emotionen und Wahrnehmungen der Pflanzenwelt verankert sind – von den Lebensmitteln auf unseren Küchentischen bis hin zu sogenannten exotischen oder invasiven Arten.

Der zweite Teil des Workshops konzentriert sich auf den molekularen Aspekt und die Materialität von Pflanzen mithilfe der Technik des Öko-Drucks. Bei dieser Methode werden frische oder getrocknete Pflanzenmaterialien wie Blätter, Blüten und Früchte zusammen mit natürlichen, gebeizten Stoffen verwendet. Die Teilnehmer*innen verwenden gesammelte Rosenblätter aus dem Familiengarten in Serbien, um gemeinsam Drucke auf einem Streifen aus Baumwollverband zu erstellen, der zuvor mit Beizmittel und Fixiermittel bearbeitet wurde. Sobald die Verbände getrocknet sind, werden sie zu einem skulpturalen Werk in der Ausstellung.

 

Der Workshop findet in englischer Sprache statt.

Dauer: 3 Stunden



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